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Das Projekt Clear Vision schließt an die folgenden Modellprojekte an:

  • CleaR – Clearingverfahren gegen Radikalisierung (2016-2019)
  • CleaRTeaching – Umgang mit Radikalisierungsprozessen im schulischen Kontext (2019-2022)
  • CleaRNetworking – Netzwerk zum Umgang mit Hinwendungsprozessen zu politischen und religiösen Phänomenen im schulischen Kontext (2023 – 2025)

„CleaR – Clearingverfahren gegen Radikalisierung“ (2016-2019)

  • Das Modellprojekt „CleaR – Clearingverfahren gegen Radikalisierung“ startete im April 2016 und wurde bis 2019 an sechs Schulen in Nordrhein-Westfalen und Berlin umgesetzt, darunter drei Berufskollegs, zwei Gesamtschulen und eine integrierte Sekundarschule. Pädagogischen Fachkräfte arbeiteten während der Laufzeit mit jeweils zwanzig Wochenstunden an einer Schule. Neben der konkreten Arbeit rund um Fälle (vermeintlicher) Radikalisierung von Schüler:innen wurden an den Projektschulen zusätzlich flankierende Angebote der primären und sekundären Prävention[1] Hierbei ging es vor allem um demokratiefördernde Elemente sowie um gezielte Fortbildungen und Workshops für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter:innen und Schüler:innen. Die Angebote für Schüler*innen umfassten außerdem gestalterische und kreative Methoden wie Theater, Hip-Hop und Comic-Workshops.
  • Für die Lehrer:innen der Schulen erwies sich vor allem die Niedrigschwelligkeit des CleaR-Angebots als sinnvoll, weil sie sich mit (vermeintlichen) Hinweisen auf Radikalisierung unter Schüler:innen an eine an der eigenen Schule ansässige pädagogische Fachkraft widmen konnten. Das strukturierte Clearing-Verfahren bot ihnen ein abgestimmtes Vorgehen, in dem im Mehraugenprinzip alle Maßnahmen beschlossen, durchgeführt, evaluiert und weitergeführt werden konnten.
  • In konkreten Fällen der Entwicklung von Maßnahmen gegen (vermeintliche) Radikalisierung wurden Methoden der Sozialen Arbeit und Beratung angewandt, etwa in Form von der Visualisierung von Beziehungen der betroffenen Schüler:in, um selbstständig Ressourcen zu mobilisieren. Berücksichtigt wurden dabei auch multifaktorielle Problemlagen, die nicht lediglich einen Radikalisierungsprozess fokussieren, sondern auch schulische und familiäre Probleme, Zukunftsängste, Perspektivlosigkeit, persönliche Krisen oder Traumata umfassten.
  • Projektziele:
    • Sensibilisierung von Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Eltern für das Problemfeld Radikalisierung
    • Vernetzung mit außerschulischen Partnern (Jugendhilfe, Kommune, Fachberatungsstellen, Polizei)
    • Verankerung der Prävention im Schulprogramm
    • Entwicklung und Weiterentwicklung von Interventionsinstrumenten
    • Entwicklung und Erprobung des strukturierten Clearingverfahrens und Optimierung der Prozessschritte

[1] Primäre Prävention setzt vor drohender Radikalisierung an. Sekundäre Prävention setzt im frühen Stadium von Radikalisierung an.

„CleaRTeaching – Umgang mit Radikalisierungsprozessen im schulischen Kontext“ (2020-2022)

  • Das Projekt CleaRTeaching widmete sich dem pädagogischen Umgang von Schulen mit sich radikalisierenden Schüler:inne, ohne durch Sanktionen, Überreaktion (vor allem im Bereich des religiös begründeten Extremismus) oder Verharmlosung (insbesondere im Bereich des Rechtsextremismus) zu einer Beschleunigung von Radikalisierungsprozessesen beizutragen. CleaRTeaching verfolgte das Ziel, Lehrer:innen und Schulsozialarbeiter:innen in einer umfangreichen Fortbildung zu Clearingbeauftragten auszubilden, die in der Lage sind, Radikalisierungsprozesse an ihrer Schule zu erkennen und darauf zu reagieren.
  • Dafür wurde erstens ein Curriculum entwickelt, um daraufhin drei Durchgänge der Weiterbildung durchzuführen. Zweitens wurde das bereits implementierte Clearingverfahren an zwei Projektschulen weiterhin erprobt, um Erfahrungen in die Konzeption der Fortbildung einfließen zu lassen und Interventionsmethoden weiterzuentwickeln.
  • Projektziele:
    • Erstellung von Fortbildungsinhalten und -materialien gemeinsam mit Kooperationspartnern auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse aus dem Modellprojekt
    • Durchführung von zertifizierten Fortbildungsformaten für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen bundesweit
    • Kooperation mit den projektbeteiligten Schulen und Implementierung des Clearingverfahrens in diesen Schulen
    • Umsetzung des Clearingverfahrens an zwei Projektschulen, Erprobung und Weiterentwicklung des Clearingverfahrens, Erkennen von Radikalisierungsprozessen, Ausarbeitung von Kriterien zur Risikoeinschätzung, Unterbrechung oder Verlangsamung von Radikalisierungsprozessen durch pädagogische Maßnahmen, Ausbau der außerschulischen Netzwerke

„CleaRNetworking - Netzwerk zum Umgang mit Hinwendungsprozessen zu politischen und religiösen Phänomenen im schulischen Kontext“ (2023 - 2025)

  • Das Projekt CleaRNetworking knüpfte an die Vorgängerprojekte CleaR und CleaRTeaching an und verfolgte das Ziel, den Clearing-Ansatz im schulischen Kontext über einzelne Projektschulen hinaus zu verbreiten und in einem bundesweiten Netzwerk zu verankern. Im Mittelpunkt stand die Qualifizierung und Vernetzung schulischer Akteur:innen, um Radikalisierungs- und Hinwendungsprozesse bei Schüler:innen frühzeitig, pädagogisch reflektiert und strukturiert bearbeiten zu können.
  • Kern des Projekts war eine modulare, mehrteilige Weiterbildung für schulische Tandems aus Lehrkräften, Schulsozialarbeiter:innen und weiteren pädagogischen Fachkräften. Die Teilnehmenden wurden darin unterstützt, den Clearing-Ansatz als strukturierte, phänomenübergreifende Methode an ihren Schulen zu implementieren und weiterzuentwickeln. Ergänzend zur Weiterbildung wurden bundesweite analoge und digitale Vernetzungsformate etabliert, die kollegialen Austausch, Fallreflexion und den Transfer guter Praxis ermöglichten.
  • Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Aufbau eines durchgangsübergreifenden schulischen Netzwerks, das Schulen langfristig miteinander verbindet und Handlungssicherheit im Umgang mit gesellschaftlichen Konfliktlagen stärkt. Neben der Qualifizierung einzelner Fachkräfte zielte CleaRNetworking darauf ab, schulische Strukturen, Haltungen und Präventionsroutinen weiterzuentwickeln und zu verstetigen.

Projektziele:

  • Bundesweite Qualifizierung schulischer Fachkräfte im Umgang mit Radikalisierungs- und Hinwendungsprozessen
  • Verbreitung und Weiterentwicklung des Clearing-Ansatzes als strukturierte Methode für Schulen
  • Aufbau und Moderation eines bundesweiten schulischen Netzwerks
  • Stärkung multiprofessioneller Zusammenarbeit und schulinterner Präventionsstrukturen
  • Förderung von Handlungssicherheit, Reflexionsfähigkeit und pädagogischer Haltung im Umgang mit gesellschaftlichen Konfliktlagen