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CleaRTeaching – Umgang mit neosalafistischen und

rechtsextremen Haltungen im schulischen Kontext

Momentan gibt es einige Anzeichen dafür, dass radikale Ideologien und Ideen bei jungen Erwachsenen auch zukünftig eine Rolle spielen werden – besonders im rechtsextremen und rechtspopulistischen Spektrum, aber auch im Bereich des religiös begründeten Extremismus. Somit stehen auch Schulen als Teil der Gesellschaft vor der Herausforderung, wie sie mit sich radikalisierenden Schüler*innen einen pädagogischen Umgang finden können.

In einer praxisnah konzipierten Weiterbildung sollen Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen dazu befähigt werden, Radikalisierungsprozesse zu erkennen und mit angemessenen Maßnahmen darauf zu reagieren. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Schnittstellen zwischen Demokratiebildung, politischer Bildung, Sozialer Arbeit und Radikalisierungsprävention.

Die Aktion Gemeinwesen und Beratung e.V. ist eine Jugendhilfeeinrichtung in Düsseldorf und verfügt über jahrelange Erfahrung im Bereich der Radikalisierungsprävention sowohl im Bereich der Jugendhilfe als auch im schulischen Kontext. Gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde an sechs Schulen bundesweit von 2016 bis 2019 das Clearingverfahren implementiert und erprobt. Die Erfahrungen aus diesem Projekt zeigen, dass ein strukturiertes Verfahren im Umgang mit Radikalisierungsprozessen an Schulen sehr hilfreich ist. Auch die flankierenden Maßnahmen haben gezeigt, dass politische Bildung und Sensibilisierung bei allen schulischen Akteuren zu einem unaufgeregten und professionellen Umgang mit den Phänomenen des politischen und religiösen Extremismus führen.

Diese Erfahrungen möchten wir nun in einer modularisierten Weiterbildung an die Regelakteure des schulischen Systems weitergeben, um diese zu befähigen bereits vorhandene Beratungsstrukturen an ihrer Schule sinnvoll zu ergänzen. Darüber hinaus wird auch in diesem Projekt die Erprobung des Clearingverfahrens an zwei Projektschulen und einer Kooperationsschule in NRW und Berlin weiter fortgeführt. Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den „Laborschulen“ baut auf die mehr als dreijährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit diesen Schulen auf.

RADIKALISIERUNGSPRÄVENTION…

Die Zeit des Heranwachsens ist geprägt durch physische und psychische Entwicklungsprozesse, die mitunter mit schwierigen altersspezifischen Entwicklungsaufgaben einhergehen. Diese Lebensphase ist sowohl von Verunsicherung und Instabilität als manchmal auch durch extreme Provokation gegenüber Eltern, Lehrkräften und anderen Autoritäten gekennzeichnet. All diese altersspezifischen Ausdrucksformen werden erst dann problematisch, wenn gewaltorientierte, menschenfeindliche oder demokratiefeindliche Äußerungen und Haltungen zu einem Bruch mit dem bisherigen Umfeld führen und Jugendliche bereit sind, ihre Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen und dabei sich selbst und andere gefährden oder auf Überwältigung abzielen. Diesen Prozess zu unterbrechen und Hilfestellung zu geben, ist das Ziel des Modellprojekts.

IN SCHULE …

Die Schule ist der einzige soziale Ort, an dem alle jungen Leute über einen langen Zeitraum beständig anzutreffen sind. Für Präventionsarbeit findet man hier also ideale Voraussetzungen. Aus diesem Grund arbeiten wir im Modellprojekt bundesweit an sechs Projektschulen.              Um eine gelingende Radika- lisierungsprävention in der Schule und dem angrenzenden Sozialraum zu implementieren ist es wichtig, dass sich alle relevanten Akteure auf gemeinsame Präventionsziele und einen klar definierten Präventionsbegriff verständigen. Ein wichtiges Ziel ist es hierbei Jugendliche zu einem erfolgreichen Bildungs- abschluss zu führen.             Auch Lehrkräfte werden im Rahmen des Modellprojekts sensibilisiert und können in Workshops und Fortbildungsveranstaltungen ihre Rolle bei möglichen Radikalisierungsprozessen in den Blick nehmen. Hierbei spielt vor allem auch ein rassismuskritischer Blick auf die Bildungsarbeit und das System Schule eine große Rolle.

… MIT HILFE DES CLEARING VERFAHRENS

Den Mittelpunkt des Modellprojekts bildet das siebenstufige Clearingerfahren. Dieses hochstrukturierte Verfahren soll im Rahmen des Projekts erprobt und an den Schulen implementiert werden. Hierbei richtet sich das Clearingverfahren im Kern auf die Unterbrechung von Radikalisierungsprozessen.               Bei der Begleitung von Jugendlichen, die Gefahr laufen sich zu radikalisieren, ist es besonders wichtig, dass die Beratung in der Hand von Personen liegt, die sich über einen längeren Zeit-raum der Beratung annehmen können. Dies gilt sowohl für die Beratung des Jugendlichen selbst, als auch für dessen Umfeld. Hierbei steht ein ganzes Bündel von Methoden und pädagogischen Maßnahmen zur Verfügung, die helfen sollen, eine Radikalisierung zu unterbrechen oder zu verhindern.             Das Clearingverfahren soll außerdem bestehende Struktu- ren in Sozialraum und Schule zusammenführen und eine Vernet- zung aller relevanten Akteure ermöglichen. Durch die Ressour- cen, die im Clearingverfahren gebündelt werden, entstehen so neue Helfernetzwerke, die eine umfassende und nachhaltige pädagogische Intervention ermöglichen.

PHÄNOMEN ÜBERGREIFENDER ANSATZ

Prävention richtet sich im Rahmen unseres Projekts gegen gewaltorientierte, menschenfeindliche demokratiefeindliche Äußerungen, Haltungen und Handlungen. Der Zuschnitt eines Präventionsprojekts im Bereich der Radikalisierung auf nur einen Phänomenbereich bildet unsere Meinung nach nicht die Realität unserer Gesellschaft und somit auch die Realität von Schulen ab. Um die Prozesse wechselseitiger Radikalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung zu stoppen ist es wichtig sowohl den Neosalafismus als auch extrem rechte Einstellungen in den Blick zu nehmen.

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