Clear Vision setzt sich ein für:
- Demokratische Schulkultur als Grundlage wirksamer Prävention
Clear Vision versteht schulische Radikalisierungsprävention als Teil einer gelebten demokratischen Schulkultur. Demokratie ist kein Zusatz zum Unterricht, sondern zeigt sich im Alltag der Schule: in Partizipationsmöglichkeiten für Schüler:innen, im Umgang mit Konflikten, in tragfähigen Beziehungen zwischen schulischem Personal und Schüler:innen sowie in der Entwicklung pädagogischer Austauschformate zu jugendrelevanten Themen.
- Systematische und phänomenübergreifende Radikalisierungsprävention
Schulische Radikalisierungsprävention ist dann am wirksamsten, wenn sie systematisch erfolgt. Deswegen brauchen Schulen klare Zuständigkeiten und Routinen. Clear Vision versteht Radikalisierung phänomenübergreifend: im Blick sind alle Formen von Demokratie- und Menschenfeindlichkeit – ob politisch, religiös oder weltanschaulich begründet.
- Ambiguitätstoleranz, Kontroversität und klare demokratische Orientierung
Clear Vision ermutigt Schulen, Kontroversität aktiv zu gestalten. In einer pluralistischen Schule gehört es zur demokratischen Praxis, unterschiedliche Ansichten und Verhaltensweisen auszuhalten – gerade dann, wenn sie den eigenen Überzeugungen widersprechen. Gleichzeitig steht Clear Vision klar für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Pädagogisches Handeln bedeutet nicht Neutralität gegenüber demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Positionen. Schulisches Personal darf und soll diesen widersprechen – ohne den pädagogischen Zugang zu Personen zu gefährden.
- Bedürfnisorientierung, Beziehungsarbeit und Ressourcenorientierung
Im Zentrum erfolgreicher Präventionsarbeit steht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen schulischem Personal und Schüler:innen. Radikalisierung verstehen wir als Reaktion auf unerfüllte Bedürfnisse wie Anerkennung, Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit oder Sicherheit. Prävention bedeutet, diese dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen und pädagogisch zu bearbeiten.
Ob durch Einbinden in schulische oder außerschulische Angebote (Sportvereine, Musik- oder Theatergruppen), durch das Fördern eines ehrenamtlichen Engagements oder das Schaffen beruflicher Orientierung: Selbstwert, Zukunftsperspektiven und demokratische Teilhabe zu stärken, wirkt präventiv gegen radikalisierende Ansprachen.
- Sensibilität im Umgang mit Vielfalt und Diskriminierung
Gesellschaftliche Ungleichheiten durchziehen auch Schule. Zu demokratischer Schulkultur und erfolgreicher schulischer Radikalisierungsprävention gehört deswegen auch, Diskriminierung in ihren unterschiedlichen Formen wahrzunehmen und ihr entgegenzuwirken. Eine diskriminierungs- und religionssensible Haltung bedeutet, unterschiedliche Lebensrealitäten ernst zu nehmen. Weil wir davon ausgehen, dass alle Menschen durch gesellschaftliche Sozialisation bestimmte Vorannahmen mitbringen, ermutigen wir auch schulisches Personal, eigene Vorannahmen zu reflektieren. Vorannahmen bringen alle Menschen mit. Entscheidend ist, sich eigener Prägungen bewusst zu werden und sie professionell zu reflektieren. Sensibles pädagogisches Handeln bedeutet, pädagogische Entscheidungen bewusst zu treffen, ohne Schüler:innen auf zugeschriebene Gruppenmerkmale wie Herkunft oder Religion zu reduzieren.
- Lebensweltorientierung und Anerkennung jugendlicher Realitäten
Die Lebenswirklichkeiten junger Menschen sind geprägt von gesellschaftlichen Konflikten, politischen Debatten, digitalen Öffentlichkeiten und Identitätsfragen. Clear Vision setzt sich dafür ein, dass Schule diese Realitäten aufgreift und Fragen, die junge Menschen beschäftigen, Raum gibt – Fragen nach Zugehörigkeit, Ungleichheit, Religion, Geschlecht und gesellschaftlichen Konflikten. Dafür braucht es Räume, Zeit und pädagogische Formate.
- Konstruktive Kommunikation in herausfordernden Situationen
Der Umgang mit menschenverachtenden, demokratiefeindlichen oder gewaltverherrlichenden Äußerungen stellt schulisches Personal vor große Herausforderungen. Clear Vision setzt hier auf konstruktive Kommunikation statt auf moralische Abwertung, Eskalation oder Gesprächsabbruch. Ziel ist es, Aussagen und Personen zu trennen, empathisch zu reagieren, ohne Zustimmung zu signalisieren, und emotionale Bedürfnisse hinter problematischen Äußerungen sichtbar zu machen. Durch eine dialogorientierte Haltung wollen wir Gesprächsräume offenhalten.